Kreiswettbewerb - wir waren dabei

„Ich denke, unsere Präsentation war ordentlich und sauber“, fasste Wilgersdorfs zufriedener Ortsvorsteher Günter Richter die soeben abgelaufenen zweieinhalb Stunden zusammen, in denen die Bewertungskommission des Kreiswettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ bei Bilderbuchwetter die große Vielfalt des 2960-Einwohner-Dorfes am Fuße der Kalteiche sympathisch aufgezeigt bekommen hatte. Das Arbeitskreis-Team mit Richter an der Spitze hatte in den vergangenen Monaten ganze Arbeit geleistet, was auch Landrat Paul Breuer sehr zu schätzen wusste. Das vielseitige Programm der Begehung musste schließlich in einen engen Zeitrahmen gepackt werden, so dass viele markante Orte wie zum Beispiel der idyllisch gelegene Badeweiher und die direkt am Rothaarsteig liegende neue Panorama-Aussichtsplattform „Nase im Wind“ leider nicht besichtigt werden konnten. Bürgermeister Werner Büdenbender hatte am Ende jedenfalls eine Wette mit Richter verloren und muss demnächst ein Frühstück spendieren. Der Verwaltungschef hatte es nicht für möglich gehalten, dennoch so viele Programmpunkte in der vorgegebenen Zeit der hochkarätig zusammengesetzten Kommission zu präsentieren. Den Auftakt im Bürgerhaus bestritt dabei der Grundschulchor. Breuer machte in seiner Begrüßung deutlich, dass es bei dem mit 12.500 Euro dotierten Wettbewerb nicht darum gehe, „die Goldmedaille abzuräumen, sondern um das Olympische Motto Dabeisein ist alles“. Weiterhin betonte der Geisweider, dass „die bürgerschaftliche Bewegung eine Aufgabe über Generationsgrenzen hinaus“ sei. Wilgersdorf könne stolz auf seine Teilnahme als einziger Ort aus der Gemeinde Wilnsdorf sein. Günter Richter ging in seinem Vortrag speziell auf das Thema Zukunftsfähigkeit ein. Das „Wohlfühl-Gefühl“ sei ein Garant für das Leben in Wilgersdorf, das 1996 beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ den zweiten Preis bekam. „Das Mit- und Füreinander erhalten, stärken, ausbauen und verbessern“, stehe auf der Agenda für die kommenden Jahre ganz oben. Er wies auf die überdurchschnittliche gute Infrastruktur hin und betonte, dass für junge Familien attraktive Aspekte geboten werden müssen, wobei die dörflichen Strukturen allerdings erhalten bleiben sollen. Eine „Dienstleistungstauschbörse Wilgersdorf“ könne Angebote und Wünsche vermitteln. Weiterhin stellte Richter das rege Vereinsleben heraus und Peter Hartmann schilderte anschließend das Erfolgsprojekt „Wilgersdorfer helfen Wilgersdorfern“ vom Oldie-Club, bei dem in neun Jahren schon 60.000 Euro für kranke Menschen im Ort zusammengekommen sind. „In Wilgersdorf schaut man nicht bei behinderten Menschen weg, sondern genau hin“, sagte Hartmann. On tour ging es unter anderem zum Naturschutzgebiet Ehemalige Grube Neue Hoffnung. Adolf Schmelzer begab sich in Kurzfassung auf die Spuren der bergmännischen Vergangenheit. Angesprochen wurden wenig später ebenso die gewaltigen Sturmschäden durch Kyrill (80 Hektar Waldfläche wurden zerstört) und die Arbeiten des 1997 gegründeten Bürgervereins am Ehrenmal. Danach durfte die aufmerksame Kommission im Planwagen von Uli Pistor Platz nehmen und konnte die herrliche Rundumsicht auf den Höhen von Wilgersdorf genießen. Bevor den Mitgliedern die umfangreichen Naturschutzmaßnahmen (wie Anlegung von vier Streuobstwiesen) der Jagdhornbläsergruppe und das 200 Jahre alte Wacholdergebiet Alte Braas von Erhard Kühn vorgestellt wurden, waren sie am Baugebiet Hofacker II vorbeigefahren, wo 45 Bauplätze vorgesehen sind und in zwei Jahren die ersten Bagger anrollen dürften. Ziel müsse es sein, die aktuelle Einwohnerzahl zu halten und die dörfliche Identität zu wahren, erläuterte Richter. Zum Abschluss der Tour beschritt die „Jury“ noch den „Dorfmittelpunkt Gasse“, wo die Wilgersdorfer das Maifest und Doffelfest feiern. Breuer und Büdenbender besichtigten kurz spontan Moll’s Keller, der für private Feiern genutzt wird. Dem ehemaligen Bundespolitiker gefielen die Räumlichkeiten in dem gemütlichen „Gewölbekeller“ dermaßen gut, dass er sich direkt nach dem Mietpreis für eine Party erkundigte. Die Kindergartenkinder führten zum Abschluss noch einen Liedtanz am Dorfbrunnen auf, bevor die mit frischem Ziegenkäse der Käserei des Ziegenhofs Kalteiche sowie Schmalzdonge und Leberwurstbroten des DRK gestärkten Kommissionsmitglieder ihre Reise in den nächsten Ort (Bürbach) mit dem Bus fortsetzten. Wilgersdorf dürften sie nach der gelungenen Präsentation „Ded es Wiljerschdoarf“ in positiver Erinnerung behalten. (thw)